Varroa destructor


Varroa erwachsenen Weibchen  (Gilles San Martin)

Varroa destructor

Die verlustreichste Krankheit wird durch eine Milbe hervorgerufen: Varroa destructor. Diese Milbe wird als größter Verursacher der (Winter-)Verluste angesehen. Unbehandelte Völker brechen oft innerhalb von 2 Jahren durch den schnell zunehmenden Varroabefall zusammen.

Varroa-Milben wurden erstmals in Südostasien bei Völkern der westlichen Honigbiene um etwa 1904 entdeckt, kommen heute jedoch auf allen Kontinenten außer Australien vor. Während der 1980’er Jahre breitete sich die Milbe schnell in Europa, den USA und Südamerika aus.

Die westliche Honigbiene (Apis mellifera) wird (noch) nicht mit dieser Milbe fertig, weil diese ursprünglich von einer anderen, asiatischen, Bienenart (Apis cerana) stammt. Die Apis cerana lebt seit Tausenden von Jahren mit der Varroa-Milbe und hat gelernt, mit der Milbe zu leben.

 

Protonymphe, Deutonymphe, Männchen  (Giles San Martin)

Protonymphe, Deutonymphe, Männchen (Giles San Martin)

Schäden an Bienen, Winter-Verluste

Die Milbe schwächt die Biene sowohl direkt durch das Saugen der Hämolymphe („Insektenblut“), als auch indirekt durch die Verbreitung von Viren und Bakterien. Vor allem das Deformed Wing Virus breitet sich mit einem zunehmenden Befall von Varroa aus. Infizierte Bienen haben eine kurze Lebensdauer oder können wegen der deformierten Flügel nicht fliegen. Aber auch andere Viren- und Bakterienerkrankungen verkürzen das Leben der Bienen deutlich. Da das Bienenvolk nur eine bestimmte Zahl junger Bienen aufziehen kann, sinken die Zahlen insgesamt oft bis zum völligen Zusammenbruch des Volkes. Völker können grundsätzlich zu jeder Jahreszeit sterben. Aber die kürzere Lebensdauer der Bienen ist vor allem ein Problem während des Winters und Frühjahrs, wenn die geschwächten Bienen nicht mehr den niedrigen Temperaturen Stand halten können oder wenn sie den zusätzlichen Anstrengungen zu Beginn der Nest und Brutpflege im zeitigen Frühjahr nicht gewachsen sind. In diesen Zeiträumen sterben viele geschwächte Bienen ohne dass neue Nachkommen geschlüpft sind. Dass Varroa den stärksten Beitrag zu den Winterverlusten liefert, kann man auch an den geringen Winterverlusten von Völkern mit schwachem Varroabefall schließen.

Winter und Deformierte Flügel Virus  (Riad Abara, Wikipedia)

Winter und Deformierte Flügel Virus (Riad Abara, Wikipedia)

Bekämpfung /Behandlungen

Mehrere Behandlungenmethoden werden in der Praxis genutzt, um die Anzahl der Milben in einem Volk zu reduzieren.

Die älteste Methode der Behandlung von Varroa ist die Verwendung von Akariziden, dass heißt Anti-Parasiten-Mittel, die auch in der Nutztierhaltung Anwendung finden. Durch den jahrelangen Gebrauch dieser Verbindungen haben die Milben im Laufe der Zeit eine Resistenz entwickelt, weshalb sie heute in vielen Ländern nicht mehr zugelassen sind. Außerdem können diese Verbindungen Rückstände in Wachs und Honig hinterlassen.

Eine weitere Behandlungsmethode ist die Begrenzung der Drohnen (männliche Biene)-Brut. Da die Milben die (größeren) Drohnen-Brutzellen bevorzugen, wird durch Begrenzung oder Entfernen der Drohnen-Brut auch die Vermehrung der Milben begrenzt. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass keine Chemikalien verwendet werden und kein Schaden an den Arbeiterinnen (weibliche Bienen) im Volk entsteht. Aber sie ist arbeitsintensiv, nicht effektiv genug als alleinige Behandlung, und das Volk verbraucht Kraft. Man könnte auch argumentieren, dass auf diese Weise Milben mit einer Vorliebe für Arbeiterinnen-Brut selektiert werden. Das ist genau das Gegenteil von dem was wir wollen (die asiatische Honigbiene duldet die Milben nur in der Drohnen-Brut und hat deshalb kein echtes Problem mit der Milbe).

In letzter Zeit werden organische Säuren und bestimmte Öle eingesetzt. Diese Verbindungen werden derzeit in den meisten Ländern als biologisch verantwortbare Behandlungsmethoden empfohlen. Diese Anwendungen können wirksam sein, aber ihre starke Abhängigkeit von Wetter, Dosierung, der Stärke des Volkes, dem Beuten-Typ und dem Zeitpunkt der Behandlung lassen die Wirksamkeit sehr unterschiedlich ausfallen Deshalb sind mehrere Behandlungen pro Jahr erforderlich. Die Behandlungen schädigen jedoch nicht nur die Varroa-Milbe, sondern auch die Bienelarven, Arbeiterinnen und Königinnen. Zudem gibt es bei nicht bestimmungsgemäßer Anwendung Sicherheitsrisiken für den Imker.

Das Fehlen einer sehr effektiven und effizienten Behandlung führt dazu, dass die winterlichen Verluste durch Varroabefall andauern.


Lebenszyklus der Honigbiene und Varroa-Milbe
Jeffrey Harris von der USDA-Landwirtschaft Research Service

Die Lösung aus der Natur

Dies führt zu der Frage „Was können wir tun???“.

Eine mögliche Antwort können wir in der Natur finden. Wirt-Parasit Beziehungen sind sehr häufig in der Natur. In einer einseitigen Beziehung profitieren die Parasiten auf Kosten des anderen, des Wirtes. Der Wirt entwickelt Mechanismen um die parasitäre Belastung zu verringern. Dadurch entsteht ein Gleichgewicht, das letztlich einen gegenseitigen Vorteil bedeutet, weil ein toter Wirt nicht im Interesse des Parasiten ist. Im Falle von Varroa und Biene ist deutlich, dass auch hier die Biene eine natürliche Reaktion entwickeln kann: Varroa Resistenz. Varroa resistente Honigbienen halten den Varroa-Befall auf einem niedrigen Niveau, die Völker haben gesunde Bienen ohne Krankheit verursachende virale oder bakterielle Infektionen und müssen nicht von den Imkern behandelt werden. Auf den folgenden Seiten gehen näher auf Varroa Resistenz ein und beschreiben die Projekte, die erforderlich sind, um diese natürliche Lösung für unsere westliche Honigbiene zu nutzen.